Birkenweg 26, 39175 Biederitz

34:26 gegen Coswig: Spät auf Betriebstemperatur

Die Biederitzer Oberliga-Handballer lassen gegen Aufsteiger Coswig früh nach, steigern sich aber rechtzeitig, um durch den 34:26-Erfolg weiter makellos an der Spitze zu thronen.

Marvin Wohl ist kein Torhüter der großen Gesten. Nur logisch also, dass er die Ehlehalle am Samstagabend mit einem seiner seltenen Gefühlsausbrüche emotional so richtig abgeholt hat. Als der Jubelschrei nach einer Parade ertönte, die Faust nach oben schnellte und es auch auf den Rängen lautstark wurde, waren allerdings schon 54 Minuten absolviert. Und die Biederitzer Oberliga-Handballer tourten im Heimspiel gegen Blau-Rot Coswig längst auf der Siegerstraße. Eine Szene, die sinnbildlich für einen Abend stand, an dem die Stimmung auf den Rängen wie auf dem Spielfeld lange merkwürdig unterkühlt blieb. Doch am Ende konnte der SV Eiche 05 auch damit gut leben. Durch den 34:26 (18:15)-Heimsieg festigte der Spitzenreiter seine Position vor dem spielfreien Verfolger aus Gommern.

Nach der Schlusssirene hatten sich dann auch bei Trainer Dirk Hesse die Gesichtszüge entspannt. Eine halbe Stunde zuvor konnte man sich hingegen das Kabinendonnerwetter in der Pause gut vorstellen, nachdem der Coach erklärte: „Das passiert, wenn im Hinterkopf der Gedanke herumschwebt: Wird schon irgendwie laufen. Wir finden gut ins Spiel herein, aber dann kommt irgendwann diese trügerische Sicherheit und auf einmal wundern wir uns, wieso die Dinge eben nicht mehr für uns laufen.“ Eine 5:1-Führung (5.) war zwar der Start in den Abend, den sich die Biederitzer gegen den Aufsteiger erhofft hatten, doch 20 Minuten später glich dieser zum 14:14 aus.

Die Coswiger als neue große Unbekannte hatten in der Zwischenzeit nachgewiesen, dass sie auch die Schwergewichte der Liga beschäftigen können – erst recht, wenn diese ihnen derart entgegenkommen wie der SV Eiche 05 in Teilen der ersten Hälfte. Zunächst über eine 5:1-, dann eine 4:2-Deckung verteidigte Blau-Rot bis zur Pause offensiv. Und Hesse musste bei seinen Schützlingen den größten Fehler, den man gegen eine Zwei-Linien-Verteidigung begehen kann, beobachten: „Plötzlich tritt bei uns das Phänomen auf, dass sich zwar der Ballführende bewegt, aber fünf Mitspieler schauen nur zu.“  Erfolg hatten die Gastgeber daher zumeist im erweiterten Gegenstoß beziehungsweise nach der schnellen Mitte. Im Positionsangriff rächte sich die ausbleibende Beinarbeit durch fehlende Durchschlagskraft. 

Da war es kaum hilfreich, dass auch die Biederitzer Abwehr lange vergeblich nach der nötigen Intensität suchte. Gegen die eher gemächlich vorgetragenen Angriffe der Gäste, bei denen zumeist Luca Schiller und Lukas Seydler ihre Stärken im Eins-gegen-eins ausspielten, rutschten etliche ärgerliche Abschlüsse im Zeitspiel durch. „Entscheidend waren dann im Grunde die letzten zwei Minuten vor der Pause, in denen wir uns gebessert haben“, sagte der Eiche-Coach. Seine Schützlinge erzwangen beim Gegner unvorbereitete Abschlüsse und technische Fehler. Die entstehenden Ballgewinne münzten Luca Exner und Linus Steinweg und Lukas Hesse mit ihren unbeantworteten Treffern zur 18:15-Pausenführung um.

Die Richtung für die zweite Hälfte war mit der Biederitzer Tempoverschärfung dann auch eindeutig vorgegeben. Zwar blieb Blau-Rot zunächst in Schlagdistanz (21:19/41.). Doch vor allem das Torhüterplus zahlte sich bei den Gastgebern nun aus. Während Wohl zunehmend Würfe entschärfte, ließ sich sein Gegenüber Philipp Dosdall nach einem überworfenen Ball in den Anwurfkreis entnervt auswechseln. Dessen Nachfolger Erik Wolter blieb glücklos, während es nach dem 26:20 durch Marius Hammecke (45.) mehr und mehr nach der Vorentscheidung roch.

Auch dank der breiteren Bank verwaltete der Spitzenreiter seinen Vorsprung in der Schlussviertelstunde clever – und baute ihn 120 Sekunden vor Schluss sogar noch auf acht Treffer aus. So durfte Coach Hesse zufrieden bilanzieren: „Am Ende war es dann doch ein sehr sicherer Erfolg. Die letzten 20 Minuten entsprachen dem, was wir uns von den Jungs vorstellen.“ Und natürlich gilt es an jene Leistung anzuknüpfen, wenn am Sonnabend ab 18 Uhr die SG Kühnau zum Duell bittet. 

Biederitz: M. Wohl, Witte – Thielecke (3), Daßler (6/3), Kinast (4), Burgold (7), Hesse (4), Beres (2), Steinweg (2), Schneider, Hammecke (3), Lu. Exner (3), Eix

Coswig: Dosdall, Wolter – Gieseler (2), Richter (1/1), Nissen (2), L. Seydler (9/2), Giese (7), Steindorf, Brennecke, Hänelt, S. Seydler, Ciciewski (1), Metting (1), Schiller (3)

Siebenmeter: Eiche 4/4 – Coswig 5/3; Zeitstrafen: Eiche 4 – Coswig 3

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